Erfahrungen

 

Bianca Alberts – ehrenamtliche Hospizhelferin seit 2011:

 

Ohne ehrenamtliches Engagement wäre unsere Gesellschaft um einiges ärmer

 

Nach fast 10 Jahren Hausfrau und Mama sein, kam mir der Gedanke, den Alltagstrott „aufzubrechen“. Der Wunsch mich im sozialen Bereich zu engagieren, war schon länger da. Nun bin ich mitten drin im ambulanten Hospiz und die Erfahrungen, die ich mache, bereichern mein Leben sehr.

Natürlich spricht man mit den Patienten auch über den Tod und das Schicksal, welches den Menschen betrifft. Aber genau so redet man über alltägliche Dinge wie das Wetter, den „Tatort“ vom letzten Sonntag, Fußballergebnisse oder Kochrezepte. Das sind schöne, lebendige Momente!

 

Wenn es um Trost geht, ist man aber oft sprachlos.

In dem Moment, in dem ich bei einem Sterbenden am Bett sitze, fällt es ganz schwer, Trost in Worte zu fassen. Man kann nicht sagen: “Das wird schon wieder“ oder „Kopf hoch, bald stehst Du wieder auf.“ Ich habe die Erfahrung gemacht, dass liebevolle Nähe und mitfühlendes Schweigen eine gute Grundlage sind, für echten Trost. Behutsame, verständnisvolle Worte lassen sich darauf aufbauen. Viele Menschen sind auch dankbar, wenn man mit ihnen betet oder über die Hoffnung der Auferstehung spricht.

Neben verzweifelten Phasen gibt es manchmal auch Humor bei den Begegnungen mit Schwerkranken. Gemeinsam zu lachen schafft Vertrautheit, Leichtigkeit....ich habe Menschen erlebt, die ihren eigenen Tod auf die „Schippe“ genommen haben und darüber lachen konnten.

Das kommt einem fast absurd vor, oder unangebracht.

Aber es ist menschlich. Wenn das Leben bis zum Schluss mit Leben gefüllt sein soll, dann gehört das Lachen sicher dazu.

 

Immer wieder werden wir angesprochen, wie wir es schaffen, die hospizliche Arbeit zu leisten. Wir wurden durch eine Ausbildung an diese Arbeit heran geführt. Außerdem gibt es regelmäßige Treffen, bei denen man sich im Team austauscht, sowie Supervisionen, die eine Art Ventil sind für emotionale Überlastung.

Wichtig finde ich es, menschlich zu bleiben. Die Menschlichkeit kann in schwierigen Situationen eine unserer größten „Waffen“ sein. Kraft und Mut gibt mir mein fester Glaube an Gott.

 

Die „Mannschaft“ des Ambulanten Hospiz, die hinter einem steht, ist stark angewachsen. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben und habe das Gefühl, dass diese Gemeinschaft noch für eine lange Zeit mein Wegbegleiter sein wird. Hospizarbeit schweißt einen zusammen und wir erleben auch viele schöne Momente außerhalb der Hospizarbeit.

 

Mir persönlich hat das Ambulante Hospiz den Weg geöffnet, zu meiner heutigen Arbeit als Betreuungskraft im Altenheim.

Da es für die meisten Bewohner im Altenheim die letzte Station im Leben ist, war ich dort oft zu Besuch und spürte, wie glücklich mich der Kontakt zu den Menschen dort macht

 

Die Arbeit im ambulanten Hospiz ist eine Herausforderung. Hier geht es um Leben bis zuletzt. Das hat meine Einstellung zu eigenen Problemen relativiert. Die Sichtweise auf das Leben ändert sich und ab und zu denkt man verzweifelt darüber nach, ob man nicht der nächste ist, den eine schlimme Krankheit erwischt. In solchen Momenten kommt mir ganz schnell der Spruch von Cicely Saunders in den Sinn:

 

 Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben,

sondern den Tagen mehr Leben.

 

Und dann genieße ich den Rest vom Tag und freue mich über viele Kleinigkeiten!

 

Theresa Born – ehrenamtliche Hospizhelferin seit 2011:

 

Eine persönliche Rückschau

 

In meiner Kindheit auf dem Dorf in den 60er Jahren war es noch üblich, Verstorbene in ihren Häusern aufzubahren. Niemand wäre auf die Idee gekommen, uns Kinder fernzuhalten. Bis zur Beerdigung gehörten die Toten gewissermaßen zum Leben. Mit dem Bau der Leichenhalle änderte sich das schnell und auch in der Öffentlichkeit gerieten Tod und Sterben immer mehr aus dem Blickfeld.

 

Als junge Erwachsene haben mich die Krebserkrankung und der Tod meines Vaters und einige Jahre später der Tod meines Bruders ziemlich aus der Bahn geworfen. Mit der Zeit nahm die Trauer ab – es blieb eine tiefe Verunsicherung im Umgang mit Schwerkranken und Sterbenden. Erst als 2005 innerhalb von nur 6 Wochen meine Mutter, mein Schwiegervater und ein guter Freund starben, war ich bereit, die Herausforderung einer Sterbebegleitung anzunehmen. Zusammen mit einem verständnisvollen Hausarzt konnten  meine Schwestern und ich unsre Mutter bis zuletzt zu Hause pflegen. Auch mein Schwiegervater konnte zu Hause im Kreis seiner Familie sterben, was vor allem durch eine gute ambulante ärztliche Versorgung und ein funktionierendes soziales Gefüge möglich war. Diese intensiven Erfahrungen haben mir ein tieferes Verständnis des Lebens erschlossen und mich letztendlich auf den Gedanken gebracht, mich der Hospizbewegung anzuschließen.

Dorothee Anton - ehrenamtliche Hospizhelferin seit 2014:

 

Zimmer drei

 

Wo soll ich beginnen? Wie die Atmosphäre eines Zimmers beschreiben, in dem eine kleine, zarte Frau auf den Tod wartet?

 Dieses freundliche Zimmer mit dem großen Fenster und den leichten Gardinen in weichen Gelb und pastelligen Orangetönen, die je nach Wunsch den Blick auf ein Stück Welt öffnen oder verschließen; die sich leicht blähen, wenn der Wind sie bewegt oder die ruhig zur Seite gerafft darauf warten, etwas tun zu können. Kleine Wünsche sind es, die sie erfüllen können und doch sind sie in manchen Stunden ganz groß.

Die Natur zu sehen, die an sonnigen Tagen ins Zimmer zu wuchern scheint, kann mal beglücken, mal verstören.

Die Gardinen öffnen sich dem Glück oder schließen pastellzart die Schatten der Angst aus, bald endgültig selbst Teil der Natur zu sein.

„Wie schön sind diese Gardinen“ sagt sie leise. „So schöne Farben“.

Es ist still im Raum. Keine Musik. Kein Ticken einer Uhr.

 Nur das leise Brodeln des Sauerstoffgerätes, das mit seiner ständigen Bewegtheit das Atmen sichert.

Wir sprechen wenig. Kleine, kurze Sätze. Worte, soweit der Atem trägt.

„Können sie meine Hand halten? Nur wenn es Ihnen nicht unbequem ist.

 Es ist so tröstlich.“

 Unsere Hände fassen sich. Erleichtert schließt sie die Augen.

Ab und zu blinzelt sie und sieht nach, ob ich noch da bin.

Von fern dringen Geräusche zu uns. Die Tür wehrt sie ab. Sie hält dem Alltäglichen stand - dem Klingeln, dem Rufen, den Stimmen, dem Geräusch eiliger Schritte und allem, was von der Zeit bestimmt in Gang gesetzt wird.

Es betrifft mich nicht. Ich habe keine Zeit mich zu beeilen- ich halte eine Hand.

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Christlicher Hospizverein Morbach e.V.
Jugendherbergstr. 25
54497 Morbach

 

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